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Mehr Informationen- Maurizio Purrello
- 17. August 2026
- Business
Holding trotz wenig Gewinn? Warum sie schnell zum Minusgeschäft wird
Viele GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer stellen sich irgendwann dieselbe Frage: Lohnt sich eine Holding, wenn die persönliche Steuerbelastung steigt?
Der Gedanke ist nachvollziehbar. Eine Holding kann Gewinne aus einer operativen GmbH aufnehmen, Vermögen stärker vom laufenden Geschäftsrisiko trennen und bei passenden Voraussetzungen steuerliche Vorteile schaffen. Daraus entsteht schnell der Eindruck, eine Holding sei für jeden erfolgreichen GmbH-Inhaber der nächste logische Schritt.
Genau das ist sie nicht.
Ob die Struktur sinnvoll ist, hängt nicht allein vom Umsatz oder vom Geschäftsführergehalt ab. Entscheidend ist, wie viel Gewinn nach dem Gehalt tatsächlich in der GmbH verbleibt, wofür das Geld gebraucht wird und welche Kosten die zusätzliche Gesellschaft verursacht.
Ein Praxisfall: Hohe persönliche Steuer, aber wenig Gewinn in der GmbH
Im zugrunde liegenden Gespräch ging es um den alleinigen Gesellschafter-Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens. Das Unternehmen erzielte einen sechsstelligen Umsatz und vor Berücksichtigung des Geschäftsführergehalts einen sechsstelligen Gewinn.
Der Geschäftsführer erhielt ein Gehalt von knapp EUR 100.000. Nach diesem Gehalt verblieb in der GmbH jedoch nur noch ein Gewinn im unteren fünfstelligen Bereich – ungefähr EUR 10.000 bis EUR 20.000.
Sein Eindruck war: „Ich zahle zu viel Steuern. Deshalb brauche ich eine Holding.“
Das ist ein typischer Denkfehler. Bevor eine neue Gesellschaft gegründet wird, muss zunächst geklärt werden, wo die Steuerbelastung überhaupt entsteht.
In diesem Fall lag der größere Hebel nicht zwingend in der GmbH. Dort blieb nur ein vergleichsweise kleiner Gewinn zurück. Die spürbare persönliche Steuerbelastung entstand vor allem durch das Geschäftsführergehalt. Eine Holding über der operativen GmbH verändert die Besteuerung dieses Gehalts nicht automatisch.
Was eine Holding leisten kann
Bei einer Holdingstruktur hält eine Muttergesellschaft die Anteile an der operativen Tochtergesellschaft. Gewinne können unter bestimmten Voraussetzungen von der Tochtergesellschaft an die Muttergesellschaft ausgeschüttet werden.
Das kann zwei wesentliche Vorteile haben.
Erstens lässt sich ausschüttungsfähige Liquidität aus der operativen Gesellschaft in die Holding übertragen. Dadurch verbleibt weniger Vermögen in dem Unternehmen, in dem das tägliche Geschäftsrisiko entsteht. Das bedeutet keinen vollständigen Haftungsschutz, kann aber die Trennung zwischen operativem Geschäft und aufgebautem Vermögen verbessern.
Zweitens können Ausschüttungen innerhalb der Struktur steuerlich begünstigt mit einem Steuersatz von rund 1,5 ausgeschüttet werden.
Wichtig ist außerdem: Das Geld gehört anschließend der Holding und nicht dem Gesellschafter privat. Soll es privat verwendet werden, muss dieser Schritt gesondert betrachtet werden. Der Vorteil ist daher besonders relevant, wenn das Kapital in der Unternehmensstruktur bleiben und beispielsweise weiter investiert werden soll.
Der häufig übersehene Punkt: die laufenden Kosten
Eine Holding besteht nicht nur aus einem zusätzlichen Kästchen im Organigramm. Sie ist eine zweite Gesellschaft mit eigenen Pflichten.
Neben den einmaligen Gründungskosten entstehen laufende Aufwendungen. Dazu können insbesondere Steuerberatung, Jahresabschluss, Offenlegung, IHK-Beiträge und weitere Verwaltungsarbeiten gehören. Im Praxisbeispiel wird für eine konservative Kalkulation mit ungefähr EUR 2.500 bis EUR 3.000 netto pro Jahr gerechnet.
Diese Größenordnung ist keine allgemeingültige Gebührenangabe. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Umfang, von den Geschäftsvorfällen und vom Beratungsbedarf ab. Für die Entscheidung ist aber relevant, sich die Struktur nicht mit unrealistisch niedrigen Kosten schönzurechnen.
Hinzu kommt der interne Aufwand. Belege, Bankvorgänge, Verträge, Beschlüsse, Fristen und Abstimmungen müssen auch bei einer schlanken Holding sauber organisiert werden. Dieser zusätzliche Verwaltungsaufwand kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Aufmerksamkeit.
Warum die Rechnung bei kleinen Restgewinnen kippen kann
Wenn nach dem Geschäftsführergehalt nur EUR 10.000 bis EUR 20.000 Gewinn in der operativen GmbH verbleiben, kann der steuerliche Vorteil einer Holding begrenzt sein.
Die mögliche Ersparnis entsteht nur auf den Betrag, der tatsächlich ausgeschüttet werden kann und in der Holding verbleiben soll. Davon sind die jährlichen Strukturkosten abzuziehen.
Zusätzlich ist zu berücksichtigen, ob der Gesellschafter das Geld privat benötigt. Wird die Liquidität ohnehin kurzfristig privat entnommen, ist der reine Vergleich zwischen einer Ausschüttung an die Holding und einer Ausschüttung an die Privatperson unvollständig.
Die genannte Orientierung von etwa EUR 100.000 Gewinn nach Geschäftsführergehalt ist deshalb keine feste Grenze. Sie ist ein Signal, genauer zu rechnen.
Ein Unternehmen mit weniger Gewinn kann gute Gründe für eine Holding haben. Umgekehrt kann auch bei höheren Gewinnen eine andere Lösung sinnvoller sein.
Die mögliche Alternative: auf der privaten Ebene ansetzen
Wenn die hohe Steuerbelastung hauptsächlich aus dem Geschäftsführergehalt entsteht, sollte die Analyse nicht bei der GmbH enden. Dann ist zu prüfen, ob auf der privaten Ebene sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten bestehen.
Ein Beispiel aus dem Gespräch ist die Vorauszahlung von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen. Je nach Versicherungsverhältnis, Zahlungsmodell und persönlicher Situation kann eine Vorauszahlung mehrerer Jahresbeiträge steuerlich interessant sein.
Ein weiterer Ansatz können Investitionen sein, die zur persönlichen Vermögensstrategie passen. Hier z. B. der Erwerb einer vermieteten Immobilie. Dabei können je nach Objekt und Maßnahme steuerlich wirksame Aufwendungen entstehen.
Eine Immobilie sollte jedoch nie allein wegen eines möglichen Steuerabzugs gekauft werden. Kaufpreis, Finanzierung, laufender Ertrag, Risiko und langfristige Strategie müssen wirtschaftlich überzeugen.
Der Vorteil solcher Ansätze: Es entsteht nicht automatisch eine zweite Gesellschaft mit dauerhaftem Verwaltungsaufwand. Die Gestaltung setzt dort an, wo im konkreten Fall die größere Steuerbelastung liegt.
Wann eine Holding eher sinnvoll sein kann
Eine Holding sollte insbesondere dann konkret geprüft werden, wenn mehrere der folgenden Punkte zusammenkommen:
- Nach dem Geschäftsführergehalt verbleiben dauerhaft erhebliche Gewinne in der GmbH.
- Das Geld wird nicht kurzfristig privat benötigt.
- Kapital soll innerhalb der Unternehmensstruktur investiert oder für weitere Beteiligungen genutzt werden.
- Vermögen soll stärker vom operativen Geschäftsrisiko getrennt werden.
- Ein späterer Verkauf des Unternehmens ist Teil der Planung.
- Die laufenden Kosten und die zusätzliche Verwaltung stehen in einem vernünftigen Verhältnis zum erwarteten Vorteil.
Ändern sich die Zahlen deutlich oder ist ein Unternehmensverkauf geplant, kann derselbe Fall daher völlig anders zu beurteilen sein.
Die richtige Entscheidung beginnt nicht mit der Rechtsform
Unternehmer sollten nicht mit der Frage starten: „Wie gründe ich eine Holding?“
Die bessere Reihenfolge lautet:
- Wo entsteht meine aktuelle Steuerbelastung?
- Wie viel Gewinn bleibt nach dem Geschäftsführergehalt tatsächlich übrig?
- Wie viel davon kann und soll langfristig im Unternehmensbereich bleiben?
- Welche konkreten Vorteile bringt die Holding in meinem Fall?
- Welche einmaligen und laufenden Kosten stehen dagegen?
- Welche einfacheren Alternativen gibt es auf betrieblicher oder privater Ebene?
Erst wenn diese Fragen mit echten Zahlen beantwortet sind, lässt sich die Struktur vernünftig beurteilen.
Fazit
Eine Holding ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Sie kann ein starkes Instrument für Vermögensaufbau, Reinvestitionen, Risikotrennung und eine langfristige Unternehmensstrategie sein.
Sie ist aber keine automatische Antwort auf eine hohe persönliche Steuerbelastung. Wenn nach dem Geschäftsführergehalt nur ein niedriger fünfstelliger Gewinn in der GmbH verbleibt, können laufende Kosten und zusätzlicher Verwaltungsaufwand einen großen Teil des Vorteils aufzehren.
Entscheidend ist daher nicht, was andere GmbH-Inhaber gründen. Entscheidend ist, wo Ihr tatsächliches Problem liegt und welche Lösung zu Ihren Zahlen, Ihrem Kapitalbedarf und Ihren unternehmerischen Plänen passt.