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Mehr Informationen- Maurizio Purrello
- 12. Oktober 2026
- Business
Erst Steuerberater fragen, dann investieren: Warum die richtige Reihenfolge entscheidend ist
Eine Investition kann gut vorbereitet, durchgerechnet und sogar bereits mit der Bank besprochen sein – und trotzdem wirtschaftlich keinen Sinn ergeben.
Genau deshalb sollte bei größeren unternehmerischen Entscheidungen die steuerliche Beratung nicht erst ganz am Ende stehen. Die sinnvollere Reihenfolge lautet: Idee entwickeln, wirtschaftliche und steuerliche Annahmen prüfen, Finanzierung klären und erst danach entscheiden und umsetzen.
Ein Fall aus meiner Kanzlei zeigt sehr deutlich, warum diese Reihenfolge wichtig ist
Gut vorbereitet – und trotzdem war ein entscheidender Fehler im Plan
Vor Kurzem kam ein Unternehmer zu mir, der seine Hausaufgaben gemacht hatte.
Die Idee für eine Investition stand. Gespräche mit der Bank waren bereits geführt worden. Beleihungswerte waren ermittelt. Kaufpreise waren gedanklich festgelegt und auch die dadurch entstehende Liquidität war auf Verkäuferseite bereits verplant.
Auch über die steuerlichen Auswirkungen hatte sich der Unternehmer Gedanken gemacht. Die Frage war im Grunde nur noch: Ist das steuerlich so richtig und können wir das jetzt umsetzen?
Auf den ersten Blick also eine sehr gute Vorbereitung.
Bei meiner Vorbereitung auf das Gespräch fiel allerdings auf, dass einige Werte nicht richtig zusammenpassten. Beleihungswert, Liquidität und Kaufpreis ergaben für mich noch kein stimmiges Gesamtsystem.
Deshalb begann unser Gespräch nicht mit den konkreten steuerlichen Fragen des Unternehmers.
Meine erste Frage war vielmehr: Was soll bei dieser Investition wirtschaftlich eigentlich herauskommen?
Eine steuerlich richtige Antwort kann trotzdem zur falschen Entscheidung führen
Genau hier liegt für mich ein wesentlicher Unterschied.
Ich hätte die einzelnen steuerlichen Fragen des Unternehmers beantworten können. Die Antworten darauf hätten sogar fachlich richtig sein können.
Trotzdem hätte das Gesamtergebnis nicht gepasst.
Denn wenn die wirtschaftlichen Annahmen einer Investition nicht zusammenpassen, reicht es nicht aus, ausschließlich einzelne steuerliche Fragen zu beantworten.
Bei einer unternehmerischen Investition sollte deshalb nicht nur gefragt werden:
„Wie kann ich das steuerlich gestalten?“
Mindestens genauso wichtig ist:
„Ist die Investition unter diesen Annahmen wirtschaftlich überhaupt sinnvoll?“
Im konkreten Fall führte genau diese Betrachtung dazu, dass nach ungefähr 45 Minuten feststand: Die geplante Umsetzung ergibt so keinen Sinn.
Die Investition wurde nicht umgesetzt.
Der Steuerberater sollte nicht erst am Ende der Planung kommen
Das eigentliche Problem war dabei nicht die Vorbereitung des Unternehmers. Im Gegenteil: Er hatte sich intensiv mit seinem Vorhaben beschäftigt.
Entscheidend war die Reihenfolge.
Der Steuerberater wurde erst eingeschaltet, nachdem bereits sehr viele Überlegungen stattgefunden hatten.
Dabei wäre eine andere Reihenfolge sinnvoller gewesen:
- Idee entwickeln
Am Anfang steht eine unternehmerische Idee. Es gibt ein mögliches Investment, eine neue Struktur oder einen anderen Plan für das Unternehmen.
- Steuerberater frühzeitig einbeziehen
Bevor sehr viel Zeit und Geld in die weitere Planung fließen, sollten die wesentlichen Annahmen geprüft werden.
Passen die Zahlen zusammen? Was soll wirtschaftlich erreicht werden? Funktioniert die angedachte Struktur überhaupt so, wie sie gedacht ist?
- Finanzierung und Annahmen klären
Wenn das Grundmodell funktioniert, können die nächsten Schritte folgen. Dazu gehört beispielsweise die Finanzierung und die Bestätigung der zuvor getroffenen Annahmen.
- Entscheidung treffen
Erst wenn diese Punkte geklärt sind, sollte die eigentliche Entscheidung getroffen werden: Wird das Vorhaben umgesetzt oder nicht?
- Umsetzung
Danach werden Fakten geschaffen und die geplanten Schritte tatsächlich umgesetzt.
Warum „erst entscheiden, dann prüfen“ teuer werden kann
Problematisch wird es, wenn diese Reihenfolge umgedreht wird.
Wer gedanklich bereits entschieden hat, Gespräche geführt, Kaufpreise festgelegt und weitere Schritte eingeleitet hat und erst während der Umsetzung beginnt, die grundlegenden Annahmen zu prüfen, riskiert unnötigen Aufwand.
Im beschriebenen Fall hätte eine frühere Abstimmung viel Zeit, Gedanken und auch bereits investiertes Geld sparen können.
Das lässt sich mit einem Hausbau vergleichen.
Wer ein Haus bauen möchte, entwickelt zunächst eine Idee. Bevor aber alles umgesetzt wird, muss geprüft werden, ob das Vorhaben überhaupt so funktioniert.
Übertragen auf unternehmerische Entscheidungen bedeutet das: Nicht erst sämtliche Fakten schaffen und anschließend den Steuerberater fragen, ob die Konstruktion funktioniert.
Gute Steuerberatung kann auch bedeuten: Mach es nicht
Steuerberatung wird häufig mit der Frage verbunden, wie eine Gestaltung umgesetzt oder wie Steuern optimiert werden können.
Aber manchmal liegt der eigentliche Mehrwert an einer ganz anderen Stelle.
Nach unserem Beratungsgespräch war das Ergebnis nicht eine neue Gestaltung oder eine alternative Umsetzung. Die Erkenntnis war schlicht: Unter diesen Voraussetzungen macht das Vorhaben keinen Sinn.
Auch das kann ein gutes Ergebnis einer Beratung sein.
Denn das Ziel sollte nicht sein, eine bereits getroffene Entscheidung steuerlich irgendwie möglich zu machen. Entscheidend ist, früh genug zu prüfen, ob die Entscheidung insgesamt sinnvoll ist.
FAQ: Steuerberater bei Investitionen frühzeitig einbinden
Wann sollte ich meinen Steuerberater bei einer Investition einbeziehen?
Möglichst nach Entwicklung der grundsätzlichen Idee und bevor wesentliche Fakten geschaffen werden. So können die wirtschaftlichen und steuerlichen Annahmen frühzeitig gemeinsam betrachtet werden.
Sollte ich zuerst mit meiner Bank oder meinem Steuerberater sprechen?
Im beschriebenen Fall zeigt sich vor allem, dass der Steuerberater nicht erst ganz am Ende eingeschaltet werden sollte. Nach der ersten Idee sollten die wesentlichen Annahmen geprüft werden. Anschließend können Finanzierung und weitere Schritte geklärt werden.
Geht es bei einer Investitionsberatung nur um Steuern?
Nein. Eine steuerliche Frage kann korrekt beantwortet sein und die gesamte Investition trotzdem nicht sinnvoll sein. Deshalb sollte auch betrachtet werden, welches wirtschaftliche Ziel mit der Investition erreicht werden soll und ob die zugrunde gelegten Zahlen zusammenpassen.
Kann es sinnvoll sein, nach einer Steuerberatung eine geplante Investition nicht umzusetzen?
Ja. Im beschriebenen Praxisfall war genau das das Ergebnis. Nach rund 45 Minuten war klar, dass die zugrunde gelegten Werte nicht stimmig zusammenpassten und die geplante Umsetzung deshalb keinen Sinn ergab.
Fazit: Erst prüfen, dann entscheiden
Gute unternehmerische Entscheidungen beginnen nicht mit der Umsetzung.
Sie beginnen mit einer Idee und einer frühzeitigen Prüfung der wesentlichen Annahmen.
Gerade bei größeren Investitionen sollte deshalb der Steuerberater nicht erst eingeschaltet werden, wenn Kaufpreise, Finanzierung und steuerliche Auswirkungen gedanklich bereits feststehen.
Idee entwickeln, Steuerberater einbeziehen, Annahmen prüfen, Finanzierung klären, entscheiden – und erst danach umsetzen.
Diese Reihenfolge kann verhindern, dass viel Zeit und Geld in ein Vorhaben fließen, das am Ende gar nicht umgesetzt werden sollte.