Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen- Maurizio Purrello
- 5. Oktober 2026
- Business
5 typische Steuerfehler bei Unternehmern – und wie Sie diese vermeiden
Steuern gehören zum Unternehmertum. Trotzdem entstehen viele Probleme nicht durch besonders komplizierte steuerliche Sachverhalte, sondern durch Entscheidungen und Annahmen, die sich im Alltag eingeschlichen haben.
„Das kann ich doch absetzen.“
„Mit einer Holding spare ich Steuern.“
„Ein Bekannter macht das genauso.“
„Mein Steuerberater kümmert sich darum.“
Solche Aussagen hören wir in der Beratung immer wieder. Das Problem dabei: Was zunächst nach einer einfachen Möglichkeit zur Steuerersparnis klingt, kann am Ende zusätzliche Kosten, Ärger und unnötigen Aufwand verursachen.
Deshalb lohnt es sich, fünf typische Steuerfehler genauer anzuschauen.
Steuerfehler 1: Davon ausgehen, dass man alles absetzen kann
Einer der häufigsten Irrtümer lautet: Als Unternehmer kann ich praktisch alles von der Steuer absetzen.
Entscheidend ist jedoch, dass die Ausgabe zum Betrieb gehört und die entsprechenden Spielregeln eingehalten werden.
Ein einfaches Beispiel: Im Unternehmen gibt es zwei Fahrzeuge, beide sind Benziner. Trotzdem tauchen plötzlich Dieselbelege in der Buchhaltung auf, weil beispielsweise das Fahrzeug des Partners für eine Fahrt genutzt und anschließend getankt wurde.
Das bedeutet nicht, dass eine betrieblich veranlasste Fahrt überhaupt nicht berücksichtigt werden kann. Sie muss aber ordentlich abgerechnet werden. Einfach einen beliebigen Tankbeleg als Betriebsausgabe einzureichen, ist nicht der richtige Weg.
Ein weiteres typisches Thema sind Bewirtungen. Wenn regelmäßig Restaurantbelege auftauchen, diese aber gar nicht oder nur unzureichend ausgefüllt sind, entstehen ebenfalls unnötige Probleme.
Das Gleiche gilt für Gegenstände, die tatsächlich privat genutzt werden oder zu Hause stehen und keinen betrieblichen Zusammenhang haben.
Die einfache Grundregel lautet deshalb:
Setzen Sie betriebliche Ausgaben ab – aber halten Sie sich dabei an die steuerlichen Spielregeln und achten Sie auf eine saubere Dokumentation.
Steuerfehler 2: Eine Struktur nur wegen der vermeintlichen Steuerersparnis wählen
GmbH, Holding, Stiftung oder andere Strukturen werden häufig mit einem Argument beworben: Damit lassen sich Steuern sparen.
Das kann im konkreten Fall durchaus zutreffen. Die entscheidende Frage lautet aber nicht nur:
Wie viele Steuern spare ich?
Sondern:
Was kostet mich die gesamte Gestaltung und ist sie unter dem Strich wirtschaftlich sinnvoll?
Eine Struktur kann eine Steuerersparnis ermöglichen und gleichzeitig zusätzliche Kosten verursachen. Es entstehen möglicherweise Kosten für die Einrichtung und anschließend laufende Kosten.
Deshalb sollte vor einer solchen Entscheidung durchgerechnet werden, wie lange es dauert, bis die mögliche Steuerersparnis die zusätzlichen Kosten überhaupt ausgeglichen hat.
Wenn dafür viele Jahre benötigt werden, muss man sich fragen, ob die Gestaltung tatsächlich sinnvoll ist.
Steuerliche Optimierung sollte deshalb niemals isoliert betrachtet werden. Eine Struktur muss zum Unternehmen, zur persönlichen Situation und zur wirtschaftlichen Planung passen.
Nicht die größtmögliche Steuerersparnis ist entscheidend, sondern ein wirtschaftlich sinnvolles Gesamtergebnis.
Steuerfehler 3: Steuertipps aus dem Bekanntenkreis ungeprüft übernehmen
Fast jeder Unternehmer kennt solche Geschichten:
Der Kollege eines Freundes hat von seinem Cousin einen hervorragenden Steuertipp bekommen – und angeblich funktioniert er wunderbar.
Das Problem dabei ist, dass häufig niemand weiß, ob die Gestaltung tatsächlich funktioniert hat.
Wurde der Sachverhalt bereits geprüft? Wurden entsprechende Bescheide gesehen? Wurden alle notwendigen Schritte eingehalten?
Oft lautet die Antwort darauf: Das weiß man nicht.
Gerade bei steuerlichen Gestaltungen reicht es nicht aus, nur einen Teil der Geschichte zu kennen. Wenn beispielsweise Immobilien übertragen und anschließend Gelder verschenkt werden, müssen auch die damit verbundenen steuerlichen Spielregeln beachtet werden.
Wer nur hört, was jemand gemacht hat, weiß deshalb noch lange nicht, ob die gesamte Umsetzung steuerlich sauber erfolgt ist.
Besonders aufmerksam sollten Unternehmer außerdem werden, wenn ein vermeintlicher Steuertipp unmittelbar mit einem Verkauf verbunden ist.
Wenn jemand beispielsweise erklärt, wie sich durch eine bestimmte Investition Steuern sparen lassen, und gleichzeitig genau diese Investition verkauft, sollte die Entscheidung besonders sorgfältig geprüft werden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Empfehlung falsch ist. Aber eine steuerliche Gestaltung sollte nicht allein deshalb umgesetzt werden, weil sie sich in einem Verkaufsgespräch attraktiv anhört.
Steuerfehler 4: Geld ausgeben, nur um Steuern zu sparen
„Ich kann es doch von der Steuer absetzen.“
Auch dieser Satz führt regelmäßig zu wirtschaftlich fragwürdigen Entscheidungen.
Natürlich können betriebliche Investitionen steuerliche Auswirkungen haben. Trotzdem bleibt die entscheidende Frage:
Braucht Ihr Unternehmen diese Investition überhaupt?
Gerade in den ersten Jahren eines Unternehmens kann Liquidität besonders wichtig sein. Nach einer anstrengenden Gründungsphase steigen möglicherweise die Gewinne und damit auch die steuerliche Belastung. Dann entsteht schnell der Gedanke, noch Geld auszugeben, um Steuern zu sparen.
Doch wenn das Geld anschließend fehlt, um sinnvoll in das Unternehmen zu investieren, ist wenig gewonnen.
Hinzu kommt eine weitere Situation: Vielleicht zahlen Sie aktuell noch gar nicht besonders viele Steuern, weil noch Verluste aus den Vorjahren vorhanden sind oder der Gewinn noch nicht entsprechend hoch ist.
Nur Geld auszugeben, um die Steuerbelastung zu reduzieren, ist deshalb keine sinnvolle unternehmerische Strategie.
Eine Investition sollte zuerst wirtschaftlich sinnvoll sein. Die steuerliche Wirkung kommt danach.
Steuerfehler 5: Davon ausgehen, dass der Steuerberater automatisch alles optimiert
Der fünfte Fehler ist besonders wichtig:
„Ich habe einen Steuerberater. Der kümmert sich schon darum, dass ich Steuern spare.“
So einfach funktioniert gute Steuerberatung nicht.
Natürlich sollte auch der Steuerberater aktiv auf seine Mandanten zugehen. Gleichzeitig ist er aber auf Informationen aus dem Unternehmen angewiesen.
Deshalb sollte Steuerberatung keine Einbahnstraße sein.
Wenn Sie bereits Ideen für das kommende oder sogar das übernächste Jahr haben, sprechen Sie frühzeitig darüber. Vielleicht planen Sie eine größere Entscheidung oder beschäftigen sich mit einer bestimmten Veränderung in Ihrem Unternehmen.
Dann kann schon eine einfache Nachricht an den Steuerberater sinnvoll sein:
„Ich habe folgende Idee. Können wir uns anschauen, ob und welche steuerlichen Auswirkungen das hat?“
Erst wenn solche Informationen vorhanden sind, kann aus der reinen Verarbeitung von Zahlen echte Beratung werden.
Steuerplanung bedeutet auch Liquiditätsplanung
Eine gute Zusammenarbeit mit dem Steuerberater sollte deshalb nicht ausschließlich daraus bestehen, am Jahresende oder bei der Steuererklärung auf die Vergangenheit zu schauen.
Auch die laufenden Zahlen spielen eine wichtige Rolle.
Wie entwickelt sich der Gewinn in diesem Jahr? Ist mit einer hohen oder einer eher niedrigen Steuerbelastung zu rechnen? Welche Entscheidungen stehen in den kommenden Monaten an?
Wer solche Fragen rechtzeitig bespricht, kann seine steuerliche Situation besser planen.
Das ist nicht nur für eine mögliche Steueroptimierung wichtig. Es geht auch um Liquidität, Planung und Sicherheit im Unternehmen.
Genau deshalb sollte Steuerberatung nicht erst dann stattfinden, wenn eine Entscheidung bereits getroffen wurde.
FAQ: Typische Steuerfehler bei Unternehmern
Kann ich als Unternehmer alles von der Steuer absetzen?
Nein. Entscheidend ist, dass Ausgaben betrieblich veranlasst sind und die steuerlichen Spielregeln eingehalten werden. Auch eine ordentliche Dokumentation ist wichtig.
Spare ich mit einer GmbH oder Holding automatisch Steuern?
Nicht automatisch. Eine solche Struktur kann steuerlich interessant sein. Gleichzeitig entstehen jedoch Kosten. Deshalb sollte immer geprüft werden, ob die Gestaltung im konkreten Fall insgesamt wirtschaftlich sinnvoll ist.
Sollte ich investieren, um Steuern zu sparen?
Die Steuerersparnis allein sollte nicht der Grund für eine Investition sein. Zunächst sollte die Investition für das Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll sein.
Kann ich mich auf einen Steuertipp eines Bekannten verlassen?
Eine solche Empfehlung sollte nicht ungeprüft übernommen werden. Häufig ist nicht bekannt, ob die Gestaltung tatsächlich funktioniert hat und ob alle notwendigen steuerlichen Spielregeln eingehalten wurden.
Muss ich meinen Steuerberater über zukünftige Pläne informieren?
Wenn geplante Entscheidungen steuerliche Auswirkungen haben können, ist eine frühzeitige Kommunikation sinnvoll. Nur wenn der Steuerberater die Pläne kennt, kann er diese in die Beratung und Steuerplanung einbeziehen.
Fazit: Erst wirtschaftlich denken, dann steuerlich gestalten
Steuern zu optimieren ist ein legitimer Bestandteil unternehmerischer Planung. Die Steuerersparnis sollte aber niemals isoliert betrachtet werden.
Ausgaben müssen zum Betrieb gehören. Strukturen müssen wirtschaftlich sinnvoll sein. Steuertipps sollten kritisch geprüft werden. Investitionen sollten nicht nur wegen ihrer steuerlichen Wirkung erfolgen. Und der Steuerberater benötigt Informationen, um tatsächlich beraten zu können.
Am Ende geht es deshalb um mehr als die Frage: „Wie spare ich möglichst viele Steuern?“
Für Unternehmer ist mindestens genauso wichtig: Welche Entscheidung ist für mein Unternehmen sinnvoll und wie kann ich sie steuerlich richtig begleiten?
Genau hier beginnt vorausschauende Steuerberatung.