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- Maurizio Purrello
- 10. März 2026
- Business
Holding gründen: Warum viele Unternehmer den falschen Zeitpunkt wählen
Viele Unternehmer beschäftigen sich früh mit der Frage, ob sie eine Holding gründen sollten. Oft steht dabei weniger die strategische Notwendigkeit im Vordergrund als vielmehr die Vorstellung, dass eine Holding „modern“, „clever“ oder steuerlich automatisch vorteilhaft sei.
Entscheidend ist jedoch eine andere Perspektive: Wann sich eine Holding wirklich lohnt, hängt nicht vom Trend, sondern von Ihrer individuellen Unternehmenssituation ab. Eine Holding ist kein Statussymbol, sondern ein Werkzeug. Und ein Werkzeug sollte erst dann eingesetzt werden, wenn es tatsächlich benötigt wird.
Im Folgenden erfahren Sie, welche Kriterien maßgeblich sind und welche typischen Fehlentscheidungen sich in der Praxis vermeiden lassen.
1. Die zentrale Voraussetzung: Ausreichende und nachhaltige Gewinne
Eine Holdingstruktur besteht regelmäßig aus einer Muttergesellschaft (Holding) und einer operativen Tochtergesellschaft. Das operative Geschäft findet in der Tochter statt. Die Holding hält die Anteile.
Damit diese Struktur wirtschaftlich sinnvoll ist, muss die operative Gesellschaft Gewinne erwirtschaften – und zwar in einer relevanten Größenordnung.
In der Praxis zeigt sich:
Gewinne im Bereich von EUR 5.000 oder EUR 10.000 jährlich reichen regelmäßig nicht aus, um eine Holding sinnvoll zu bespielen. Selbst EUR 50.000 Jahresgewinn sind häufig noch nicht ausreichend, wenn Geschäftsführer-Gehälter, Investitionen und Liquiditätsreserven berücksichtigt werden.
Realistisch betrachtet wird es häufig erst ab etwa EUR 100.000 Jahresgewinn interessant – und auch dann nur, wenn:
- nach Abzug des Geschäftsführer-Gehalts
- nach laufenden Investitionen
- und nach Liquiditätsvorsorge
noch ausreichend Mittel verbleiben, die tatsächlich ausgeschüttet werden können.
Denn nur ausgeschüttete Gewinne können in der Holding nahezu steuerfrei vereinnahmt und dort weiterverwendet werden.
Ebenso wichtig ist die Frage der Nachhaltigkeit:
Handelt es sich um ein einmalig gutes Jahr oder um ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell?
Wenn Ihr Unternehmen langfristig stabile Gewinne erzielt, kann eine Holdingstruktur strategisch sinnvoll sein. Bei stark schwankenden oder unsicheren Erträgen sollte dagegen sorgfältig geprüft werden, ob der Zeitpunkt bereits passt.
2. Reinvestition oder Ausschüttung: Wie verwenden Sie Ihre Gewinne?
Ein weiterer entscheidender Punkt bei der Frage, wann sich eine Holding wirklich lohnt, ist Ihr Umgang mit Gewinnen.
Reinvestieren Sie vollständig ins operative Geschäft?
In vielen Branchen – insbesondere im Onlinehandel – wird ein erheblicher Teil des Gewinns wieder in Warenbestand, Marketing oder Wachstum investiert. Das bedeutet:
Das Geld verbleibt faktisch im Unternehmen.
Wenn nahezu der gesamte Cashflow zur Finanzierung des operativen Geschäfts benötigt wird, fehlt die Grundlage für Gewinnausschüttungen an die Holding. In diesem Fall entsteht zwar eine Holdingstruktur, jedoch ohne wirtschaftliche Funktion.
Erhöhen Sie stattdessen Ihr Geschäftsführer-Gehalt?
Ein weiterer häufiger Praxisfall:
Gewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern über ein steigendes Geschäftsführer-Gehalt entnommen.
Auch hier gilt: Ohne Ausschüttung gibt es keinen Mittelzufluss zur Holding. Die Struktur bleibt leer und verursacht lediglich zusätzliche Verwaltungs- und Beratungskosten.
Eine Holding lohnt sich daher vor allem dann, wenn:
- Gewinne tatsächlich ausgeschüttet werden sollen,
- diese nicht privat verbraucht werden,
- sondern strategisch reinvestiert oder aufgebaut werden sollen.
3. Beteiligungen und neue Geschäftsfelder
Ein besonders starkes Argument für eine Holding ist die Möglichkeit, Beteiligungen strukturiert aufzubauen.
Die Holding kann:
- mehrere Tochtergesellschaften halten
- neue Geschäftsbereiche sauber trennen
- Beteiligungen mit Partnern eingehen
- Haftungsrisiken voneinander abgrenzen
Wenn Sie planen, neben Ihrem Hauptgeschäft weitere Aktivitäten aufzubauen – etwa ein Side-Business oder ein Gemeinschaftsunternehmen mit Partnern –, bietet die Holding klare organisatorische und haftungsrechtliche Vorteile.
Sie investieren dann nicht privat, sondern über die Holding. Dadurch bleiben Beteiligungen gebündelt und strukturiert auf Unternehmensebene.
In solchen Konstellationen lohnt sich die Holding häufig deutlich früher als bei reinen Ein-Gesellschafts-Strukturen.
4. Exit-Strategie: Der oft unterschätzte Faktor
Ein weiterer zentraler Aspekt bei der Frage, wann sich eine Holding wirklich lohnt, ist Ihre langfristige Perspektive.
Planen Sie einen späteren Verkauf Ihres Unternehmens?
Wenn Sie davon ausgehen, Ihr operatives Geschäft in einigen Jahren zu veräußern und dabei einen hohen Kaufpreis zu erzielen, kann eine frühzeitig gegründete Holding erhebliche steuerliche Vorteile bringen.
Stichwort: § 8b KStG.
Unter bestimmten Voraussetzungen sind Veräußerungsgewinne bei einer Kapitalgesellschaft zu 95 % steuerfrei. Der Verkaufserlös verbleibt damit nahezu steuerfrei in der Holding und kann dort weiter investiert werden.
Das bedeutet:
Selbst wenn die Holding zunächst „leer“ ist, kann sie allein aus Exit-Gesichtspunkten sinnvoll sein.
Liegt eine Exit-Strategie jedoch nicht vor – oder erst in sehr ferner Zukunft –, kann es ebenso sinnvoll sein, die Holding erst später zu gründen. Denn entscheidend ist nicht die Struktur an sich, sondern der richtige Zeitpunkt.
5. Typische Fehler in der Praxis
In der Beratungspraxis zeigt sich immer wieder:
- Holdings werden vorschnell gegründet, ohne klare Gewinnplanung
- Ausschüttungsfähigkeit wird nicht geprüft
- Reinvestitionsbedarf wird unterschätzt
- Exit-Strategien sind nicht durchdacht
- die Struktur verursacht laufende Kosten ohne Mehrwert
Eine Holding bedeutet zusätzliche:
- Jahresabschlüsse
- Steuererklärungen
- Buchhaltung
- Beratungskosten
Wenn der strategische Nutzen fehlt, überwiegen schnell die administrativen Belastungen.
Fazit: Wann sich eine Holding wirklich lohnt
Eine Holding lohnt sich nicht automatisch – und schon gar nicht allein aus Imagegründen.
Sie kann ein sehr wirkungsvolles Instrument sein, wenn:
- nachhaltige Gewinne in relevanter Höhe erzielt werden
- Ausschüttungen tatsächlich erfolgen sollen
- Gewinne nicht privat verbraucht, sondern investiert werden
- mehrere Beteiligungen geplant sind
- eine konkrete Exit-Strategie besteht
Fehlt einer dieser Punkte, kann es sinnvoll sein, mit der Gründung noch zu warten.
Die Holding ist kein Startsignal für Unternehmertum, sondern ein strategisches Wachstumsinstrument. Entscheidend ist daher nicht die Frage, ob eine Holding „gut“ ist – sondern ob sie zu Ihrer aktuellen Situation und Ihrer langfristigen Strategie passt.