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Holding zu früh gegründet? Dieser Fehler kostet schnell fünfstellig

Eine Holdingstruktur kann steuerlich und wirtschaftlich sehr sinnvoll sein. Sie kann dabei helfen, Beteiligungen zu bündeln, Gewinne innerhalb einer Unternehmensgruppe zu strukturieren oder Vermögen langfristig aufzubauen. Gerade bei Unternehmern, Immobilieninvestoren und wachstumsorientierten Geschäftsmodellen kann eine Holding ein wichtiges Gestaltungsinstrument sein.

Trotzdem gilt: Eine Holdingstruktur sollte nicht gegründet werden, nur weil sie modern klingt oder in sozialen Medien häufig empfohlen wird. Entscheidend ist immer, ob die Struktur zum aktuellen Geschäftsmodell, zur wirtschaftlichen Situation und zur weiteren Planung passt. Denn die Kosten einer Holdingstruktur werden in der Praxis häufig unterschätzt.

Was ist mit einer Holdingstruktur gemeint?

In einer typischen Holdingstruktur wird zunächst eine Holding-GmbH gegründet. Diese hält dann Anteile an einer oder mehreren Tochtergesellschaften.

Häufig sieht eine solche Struktur zum Beispiel so aus:

  • Eine Holding-GmbH als Muttergesellschaft
  • Eine operative GmbH für das laufende Geschäft
  • Eine weitere GmbH für Immobilien oder Vermögensverwaltung

Auf dem Papier wirkt diese Struktur sauber und professionell. Sie kann auch durchaus sinnvoll sein, wenn bereits entsprechende Gewinne, Beteiligungen, Immobilien oder konkrete Investitionspläne vorhanden sind. Problematisch wird es aber, wenn eine solche Struktur sehr früh aufgebaut wird, obwohl das operative Geschäft noch klein ist und die weiteren Gesellschaften noch keinen echten wirtschaftlichen Zweck erfüllen.

Die Kosten Holdingstruktur beginnen bereits bei der Gründung

Wer mehrere GmbHs gründet, hat nicht nur einmal Gründungskosten. Bei einer Holding mit zwei Tochtergesellschaften entstehen regelmäßig für jede Gesellschaft eigene Kosten.

Dazu gehören insbesondere:

  • Notarkosten
  • Handelsregisterkosten
  • Kosten für die steuerliche Erfassung
  • Kosten für die Einrichtung der Buchhaltung
  • Kosten für Eröffnungsbilanzen

Wer also eine Holding-GmbH, eine operative GmbH und zusätzlich eine Immobilien-GmbH gründet, muss diese Prozesse grundsätzlich für jede Gesellschaft separat durchlaufen. Schon dadurch können die Anfangskosten deutlich höher sein als bei einer einfachen Struktur.

Laufende Kosten werden oft unterschätzt

Die eigentliche Belastung entsteht häufig nicht nur bei der Gründung, sondern in den Folgejahren. Jede GmbH ist eine eigene Gesellschaft mit eigenen steuerlichen und handelsrechtlichen Pflichten.

Das bedeutet regelmäßig:

  • Eigene Buchführung
  • Eigene Jahresabschlüsse
  • Eigene Steuererklärungen
  • Eigene Kommunikation mit dem Finanzamt
  • Eigene Verwaltungs- und Beratungskosten

Wenn drei Gesellschaften bestehen, fallen viele dieser Aufgaben auch dreimal an. Das gilt selbst dann, wenn eine Gesellschaft noch kaum aktiv ist oder noch keine Immobilien hält.

Genau hier liegt ein häufiger Fehler: Die Struktur wird bereits vollständig aufgebaut, obwohl die wirtschaftliche Grundlage dafür noch nicht vorhanden ist.

Wann die Kosten Holdingstruktur besonders problematisch werden

Besonders kritisch wird es, wenn das operative Geschäft noch relativ klein ist. Bei Gewinnen von unter EUR 100.000 pro Jahr sollte sehr genau geprüft werden, ob eine komplexe Holdingstruktur bereits wirtschaftlich sinnvoll ist.

Das bedeutet nicht, dass eine Holding in solchen Fällen ausgeschlossen ist. Es kann gute Gründe geben, frühzeitig eine Holding zu gründen, zum Beispiel bei konkreten Wachstumsplänen, Investoren, Beteiligungsverkäufen oder absehbaren größeren Gewinnen. Ohne klare Planung kann die Struktur aber schnell mehr kosten als sie bringt.

Auch eine Immobilien-GmbH sollte nicht nur vorsorglich gegründet werden, wenn noch keine Immobilie vorhanden ist und auch kein konkreter Ankauf unmittelbar bevorsteht. Eine Gesellschaft ohne tatsächliche wirtschaftliche Aktivität verursacht trotzdem laufende Pflichten und Kosten.

Zusätzliche Belastung bei Umstellung vom Einzelunternehmen

Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: Viele Unternehmer starten zunächst als Einzelunternehmen und wechseln später in eine GmbH-Struktur.

In diesem Zusammenhang können zusätzliche steuerliche und buchhalterische Aufgaben entstehen. Wird das Einzelunternehmen beendet oder in eine GmbH-Struktur überführt, kann je nach Einzelfall eine Bilanzierung notwendig werden. Gleichzeitig entsteht auf Ebene der GmbH ebenfalls Buchführungs- und Abschlusspflicht.

Das kann dazu führen, dass im Übergangsjahr sowohl auf privater Ebene als auch auf Ebene der GmbH zusätzliche Arbeiten anfallen. Auch private Vermietungsobjekte oder andere Einkünfte können weiterhin separate steuerliche Themen auslösen.

Die Folge: Die gesamte Struktur wird deutlich aufwendiger, obwohl der wirtschaftliche Nutzen möglicherweise noch gar nicht eingetreten ist.

Fünfstellige Kosten sind nicht unrealistisch

Bei einer Holding mit mehreren Tochtergesellschaften können im ersten Jahr schnell fünfstellige Kosten entstehen. Das bedeutet nicht automatisch, dass jemand überteuert abrechnet oder die Struktur falsch begleitet wurde. Oft entstehen diese Kosten schlicht dadurch, dass mehrere rechtlich eigenständige Gesellschaften gegründet und betreut werden müssen.

Dazu kommen die eigene Zeit und Aufmerksamkeit des Unternehmers. Wer Buchhaltung, Organisation und Verwaltung teilweise selbst übernimmt, spart möglicherweise Beratungskosten. Dafür fehlt diese Zeit aber im operativen Geschäft, also genau dort, wo Umsatz und Gewinn entstehen sollen.

Auch dieser Zeitfaktor gehört zu den echten Kosten einer Holdingstruktur.

Eine Holding braucht einen wirtschaftlichen Zweck

Eine Holding sollte nicht Selbstzweck sein. Sie sollte einen klaren wirtschaftlichen, steuerlichen oder strategischen Nutzen haben.

Sinnvoll kann eine Holdingstruktur insbesondere sein, wenn:

  • Bereits relevante Gewinne im operativen Geschäft entstehen
  • Gewinne langfristig reinvestiert werden sollen
  • Beteiligungen aufgebaut oder verkauft werden sollen
  • Vermögen innerhalb einer Unternehmensgruppe strukturiert werden soll
  • Immobilien oder andere Investitionen konkret geplant sind
  • Haftungs- und Risikobereiche sauber getrennt werden sollen

Nicht ausreichend ist dagegen die bloße Idee, irgendwann einmal Immobilien zu kaufen oder vielleicht später einmal größere Gewinne auszuschütten. Wenn der Nutzen erst in mehreren Jahren entsteht, die Kosten aber sofort anfallen, sollte die Struktur kritisch hinterfragt werden.

Erst planen, dann gründen

Der wichtigste Punkt lautet: Eine Holdingstruktur sollte vor der Gründung wirtschaftlich durchgerechnet werden.

Dabei sollten insbesondere folgende Fragen geklärt werden:

  • Welche Gesellschaften werden wirklich benötigt?
  • Welchen konkreten Zweck erfüllt jede Gesellschaft?
  • Welche Gründungs- und Folgekosten entstehen?
  • Welche steuerlichen Vorteile sind realistisch?
  • Ab welchem Gewinnniveau lohnt sich die Struktur?
  • Gibt es bereits konkrete Immobilien, Beteiligungen oder Investitionspläne?
  • Ist eine einfachere Struktur zunächst ausreichend?

Eine gute Struktur ist nicht automatisch die komplexeste Struktur. Häufig ist es sinnvoller, zunächst mit einer schlankeren Lösung zu starten und die Struktur später gezielt zu erweitern, wenn der wirtschaftliche Bedarf tatsächlich besteht.

 

Fazit: Kosten Holdingstruktur realistisch betrachten

Eine Holding kann ein starkes Instrument für Unternehmer und Investoren sein. Sie kann steuerliche, strategische und haftungsrechtliche Vorteile bieten. Entscheidend ist aber, dass die Struktur zum tatsächlichen Geschäftsmodell passt.

Wer zu früh eine Holding mit mehreren Tochtergesellschaften gründet, riskiert hohe Gründungs- und laufende Verwaltungskosten, ohne dass bereits ein entsprechender Nutzen entsteht. Gerade bei kleineren Gewinnen oder noch nicht konkret geplanten Immobilieninvestitionen sollte daher sorgfältig geprüft werden, ob die Struktur wirklich notwendig ist.

Die Kosten einer Holdingstruktur sollten deshalb nicht erst nach der Gründung betrachtet werden, sondern bereits davor. Ziel sollte immer eine wirtschaftlich sinnvolle Struktur sein – nicht eine möglichst komplizierte.

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