Warum viele die Holding zum falschen Zeitpunkt gründen

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Wann macht eine Holding Sinn – der richtige Zeitpunkt entscheidet

Die Frage „Wann macht eine Holding Sinn?“ beschäftigt viele Unternehmer bereits bei der Gründung. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder: Manche gründen eine Holding zu früh, andere zu spät – und beide Varianten können unnötig Geld kosten. Entscheidend ist nicht, ob eine Holding sinnvoll ist, sondern wann.

Dieser Beitrag soll Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage geben und typische Fehlannahmen aufklären.

1. Was ist eine Holding überhaupt?

Eine Holding ist kein eigenes Geschäftsmodell, sondern eine gesellschaftsrechtliche Struktur. Vereinfacht gesagt besteht sie aus:

  • einer Muttergesellschaft (Holding) und
  • einer oder mehreren Tochtergesellschaften (operatives Geschäft).

Die Holding hält die Anteile an den operativen Gesellschaften. Sie selbst ist in der Regel nicht operativ tätig, sondern dient der Beteiligung, Steuerung, Vermögenssicherung und Risikotrennung.

Wichtig: Eine Holding ist kein klassisches Steuersparmodell, sondern ein strategisches Werkzeug.

2. Wann macht eine Holding von Anfang an Sinn?

Es gibt Konstellationen, in denen eine Holdingstruktur bereits zu Beginn sinnvoll und strategisch richtig ist.

  1. Mehrere operative Gesellschaften geplant

Wenn Sie von Anfang an planen, mehrere operative Gesellschaften zu gründen oder parallel zu betreiben (z. B. Gesellschaft A, B und C), sollten diese Beteiligungen sinnvoll gebündelt werden.
Eine Holding ermöglicht hier:

  • klare Strukturen,
  • bessere Steuerung und
  • Nutzung von Synergieeffekten.
  1. Beteiligungen an anderen Unternehmen

Wenn Sie sich an anderen Unternehmen beteiligen möchten – insbesondere gemeinsam mit Dritten – bietet die Holding einen wichtigen Vorteil:
Sie investieren nicht direkt aus dem operativen Unternehmen oder dem Privatvermögen, sondern aus einer separaten Beteiligungsgesellschaft.

Das erhöht die Sicherheit und Übersichtlichkeit erheblich.

  1. Risikotrennung und Haftungsvermeidung

Ein zentrales Argument für die Holding ist die Trennung von operativem Risiko und Vermögen.
Gewinne können aus der operativen Gesellschaft in die Holding ausgeschüttet werden und sind dort:

  • vom operativen Haftungsrisiko getrennt
  • vor möglichen Zugriffen besser geschützt
  1. Geplanter Exit in überschaubarem Zeitraum

Wenn Sie realistisch davon ausgehen, dass Ihr Unternehmen stark wächst und innerhalb von 2–3 Jahren verkauft werden soll, kann die Holding steuerlich attraktiv sein.

Hintergrund:
Nach § 8b KStG sind Veräußerungsgewinne auf Ebene der Kapitalgesellschaft zu 95 % steuerfrei. Effektiv fallen dann rund 1,5 % Steuern an – statt bis zu 45 % bei einem Verkauf aus dem Privatvermögen.

Aber:
Wie viele Unternehmen schaffen tatsächlich einen Exit in den ersten Jahren? Genau hier liegt der Knackpunkt.

3. Wann macht eine Holding erst später Sinn?

In sehr vielen Fällen ist es strategisch klüger, die Holding nicht sofort zu gründen.

  1. Das operative Unternehmen muss erst funktionieren

Eine Holding entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn das operative Geschäft dauerhaft Gewinne erwirtschaftet.
Die Realität zeigt jedoch:

  • Rund 8 von 10 Unternehmen bestehen nach drei Jahren nicht mehr.
  • Viele Unternehmen benötigen Jahre, um relevante Gewinne zu erzielen.

Mit „relevanten Gewinnen“ sind dabei nicht EUR 100.000 oder EUR 200.000 gemeint, sondern Überschüsse, bei denen sich ernsthaft die Frage stellt, wie sie strategisch eingesetzt werden sollen.

  1. Laufende Kosten und Verwaltungsaufwand

Eine Holding verursacht von Anfang an:

  • Gründungs- und Notarkosten
  • laufende Buchhaltung
  • Jahresabschlüsse
  • steuerliche Beratung

Diese Kosten fallen unabhängig davon an, ob Sie die Vorteile der Holding bereits nutzen oder nicht. Werden die Vorteile erst Jahre später benötigt, ist das wirtschaftlich oft nicht sinnvoll.

  1. Zusätzliche Komplexität

Schon die Gründung und Führung eines operativen Unternehmens ist komplex genug.
Eine Holdingstruktur erhöht:

  • den Verwaltungsaufwand
  • die steuerliche Komplexität
  • den organisatorischen Aufwand

Gerade in der Aufbauphase sollten Unternehmer ihren Fokus auf das Kerngeschäft legen – nicht auf zusätzliche Strukturen.

4. Kann man eine Holding auch später aufbauen?

Ja, eindeutig: Eine Holding kann auch nachträglich sinnvoll und steuerneutral aufgebaut werden.

Ein klassischer Fall ist die bestehende GmbH im Privatvermögen.
Die Anteile können später im Wege eines qualifizierten Anteilstauschs in eine neu gegründete Holding eingebracht werden.

Dabei gilt:

  • Es entstehen keine sofortigen Steuerbelastungen.
  • Es greifen Sperrfristen von 7 Jahren, die jedoch planbar sind.

Das verschafft Ihnen Flexibilität:
Sie sparen in der Anfangsphase Kosten und Komplexität und können die Holding dann einsetzen, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.

Fazit: Wann macht eine Holding Sinn?

Die zentrale Erkenntnis lautet:

Die Holding ist kein Startpunkt, sondern ein Werkzeug.

Werkzeuge setzt man dann ein, wenn sie benötigt werden – nicht vorsorglich ohne konkreten Nutzen.
Für viele Unternehmer ist es sinnvoller, zunächst ein funktionierendes operatives Geschäft aufzubauen und die Holding strategisch später zu integrieren.

Ob sofort oder später – entscheidend ist eine klare unternehmerische Strategie und eine individuelle steuerliche Beratung.

Wenn Sie sich fragen, wann eine Holding in Ihrer konkreten Situation Sinn macht, lohnt sich eine frühzeitige, aber realistische Analyse.

Immo GmbH 11 1

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